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Vergleichende Archäologie römischer Alpen- und Donauländer

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Ausgrabungen in Nordtirol und im Trentino:
Über die Veränderung von Kulturen im Alpenraum

13./14. September 2018: Alpine Festungen 400-1000

Zeiten des Übergangs und des Wandels sind für die Archäologie besonders spannende Untersuchungsfelder. Denn mit ihnen verbunden sind immer auch Reaktionen oder Neuerungen in den betreffenden Kulturräumen, die sich oft in archäologischen Befunden zeigen. Das Projekt „Vergleichende Archäologie römi­scher Alpen- und Donauländer“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erforscht an Grabungsplätzen in Nordtirol und im Trentino zwei große Umbruchzeiten der römischen Epoche: von der jüngeren vorrömischen Eisenzeit in die frühe römische Kaiserzeit (1. Jh. v.–1. Jh. n. Chr.) und von der Spätantike ins frühe Mittelalter (3./4.–7./8. Jh. n. Chr.).

Beide Zeiträume waren für unser heutiges Europa von prägender Bedeutung. Im Zentrum des Projektes und Forschungsvorhabens aus dem Fachbereich Provinzialrömische Archäologie stehen Fragen nach Konstanz, Wandel und Bruch kultureller Erscheinungen, darunter die Bevölkerungszusammensetzung, die Gesellschaftsstruktur, das Siedelwesen, aber auch Raumordnung, Wirtschaftsweise, Handwerkstechniken, religiöse Ausdrucksformen und Bestattungssitten. Die konkrete wissenschaftliche Arbeit fußt auf Feldforschungen (Ausgrabungen), regionalen Studien und Kolloquien.

Excavations in North Tyrol and in Trentino:
On Cultural Changes in the Alpine Region

To archaeologists times of transition and change constitute particularly exiting fields of research. This is because they are always connected with reactions and innovations in the cultural environments concerned, often represented in archaeological findings. At excavation sites in North Tyrol and in Trentino the project “Comparative Archaeology of Roman Alpine and Danube Regions” (Vergleichende Archäologie römischer Alpen- und Donauländer) at the Bayerische Akademie der Wissenschaften studies two major transitional ancient Roman periods: from the later pre-Roman Iron Age to the early Roman Imperial Period (first century BC until first century AD) and from Late Antiquity to the early Middle Ages (between third/fourth and seventh/eighth century AD).

Both periods had great influence on shaping modern Europe. At the core of this research project of Roman Provincial Archaeology are questions regarding consistency, change and breach of cultural phenomena like population composition, social structure, settlements as well as regional development, economy, craftsmanship, religious expressions and burial rites. The specific scientific work is based on field research (excavations), regional studies and colloquia.

Grabungsplätze:
Römerzeit in Pfaffenhofen und San Martino di Lomaso

In Nordtirol und im Trentino wurden für beide Übergangsperioden geeignete Grabungsplätze ausgesucht: in Pfaffenhofen (Nordtirol) eine jüngere eisenzeitliche Siedlung, in San Martino di Lomaso (Trentino) ein spätantik-frühmittelalterliches Castrum. Beide Siedlungen werden in mehrjährigen Kampagnen großflächig aufgedeckt. Parallel dazu werden regionale Studien erarbeitet, in denen die archäologischen Hinterlassenschaften der Umgebung der beiden Grabungsplätze systematisch zusammengestellt und ausgewertet werden. Die Plätze bleiben nicht allein für sich stehen, sondern werden als Teil einer Siedlungslandschaft ausgewertet. So beleuchtet man nicht nur einen einzigen, separaten Ort, sondern auch dessen Wechselwirkungen mit seiner Umwelt.

Excavation Sites: Roman Period in Pfaffenhofen and San Martino di Lomaso

For both transition periods suitable excavation sites were selected:  In Pfaffenhofen (North Tyrol) a site from the later Pre-Roman Iron Age and in San Martino di Lomaso (Trentino) a Late Antiquity/early Middle Ages castrum. In campaigns lasting several years, large areas of both settlements are being exposed. In a parallel process regional studies are being developed, that systematically compile and evaluate the region’s archaeological legacies. The sites will not be researched as isolated studies but rather evaluated in the context of a developed landscape. This way not just a site but also its interrelations with the environment are being examined.

Regionalstudien in den Alpen:
Forschungsprojekt mit Geschichte

Hervorgegangen ist das heutige Projekt aus der Kommission zur archäologischen Erforschung des spätrömischen Rätien, die im Jahr 2007 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Gegründet wurde die Kommission 1957 auf Antrag von Joachim Werner (1909–1994), der bis zu seinem Tod auch ihr Vorsitzender war.

Ihm folgten Georg Kossack (1923–2004) und Günter Ulbert (Geschäftsführer) nach. 1995 initiierte Georg Kossack eine weitgehende Neustrukturierung der Kommissionsarbeit sowie 1998 die Umbenennung in „Kommission zur vergleichenden Archäologie römischer Alpen- und Donauländer“. Von 2005 an leitete Volker Bierbrauer die Kommission, gemeinsam mit Günter Ulbert als Geschäftsführer und stellvertretendem Vorsitzenden.

Im Zuge der Strukturreform der Akademie wurde die Kommission Ende 2015 in Beirat und Ausschuss des Projektes „Vergleichende Archäologie römischer Alpen- und Donauländer“ überführt.

Regional Studies in the Alps: A Research Project with a History of Its Own

The project evolved from the “Kommission zur vergleichenden Archäologie römischer Alpen- und Donauländer”, which in 2007 celebrated its 50th anniversary. The commission was founded in 1957 at the request of Joachim Werner (1909–1994), who chaired the project until his death.

He was followed by Georg Kossack (1923–2004) and Günter Ulbert (Managing Director). 1995 Georg Kossack initiated an extensive restructuring of the commission’s work as well as its renaming to „Kommission zur vergleichenden Archäologie römischer Alpen- und Donauländer“ in 1998. Volker Bierbrauer has chaired the Commission since 2005, together with Managing Director and Deputy Chair Günter Ulbert.

In the wake of the Academy’s structural reform in 2015 the Commission was transferred to advisory board and committee of the project „Vergleichende Archäologie römischer Alpen- und Donauländer“.

Förderung

Das Vorhaben II.E.05 „Siedlungs- und Bevölkerungs­archäo­logie im mittleren Alpenraum am Beginn und Ausgang der Römerzeit“ wird im Rahmen des Akademienprogramms vom Bund und vom Freistaat Bayern gefördert.

Grundlage ist ein Zeitplan von 2012 bis 2025, der 2009 von der Akademienunion genehmigt wurde.

Funding

The venture II.E.05 „Siedlungs- und Bevölkerungsarchäologie im mittleren Alpenraum am Beginn und Ausgang der Römerzeit“ is funded by the Federal Republic of Germany and the Free State of Bavaria as part of the Academies' Programme.

The project is based on a schedule for the time between 2012 and 2025. It was approved by the Akademienunion (Union of the German Academies of Sciences and Humanities) in 2009.